Zwischen Kulturen: Teamgefühl über Zeitzonen hinweg

Im vorigen Artikel habe ich darüber geschrieben, wie ich Internet, Arbeitsumgebung und Erreichbarkeit organisiere und warum Arbeiten aus Südamerika für mich genauso zuverlässig funktioniert wie früher in Deutschland.

Eine andere Frage hat mich im vergangenen Jahr allerdings genauso beschäftigt:

Wie bleibt man Teil eines Teams, wenn zwischen Wohnort und Kolleg:innen mehrere Tausend Kilometer liegen?

Als ich nach Südamerika aufgebrochen bin, hatte ich eine Vorstellung davon, wie ich mit den technischen Herausforderungen umgehen würde. Dazu gehört, die Internetqualität der Unterkunft möglichst vorab zu prüfen und Alternativen für Notfälle vorzubereiten.

Obwohl ich auch in Deutschland nur selten persönlichen Kontakt zu meinen Kolleg:innen hatte, würde dieser Aspekt der Zusammenarbeit in Zukunft völlig wegfallen. Daher stellte sich mir nicht nur die Frage nach der technischen, sondern auch nach der zwischenmenschlichen Veränderung.

Würde ich Teil des Teams bleiben? Wie verändert sich die Zusammenarbeit? Entsteht automatisch Distanz, wenn man sich über Monate oder sogar Jahre nicht persönlich sieht? Was ist mit neuen Kolleg:innen, die erst Teil des Teams werden, wenn ich schon weg bin?

Zeitzonen als Teil des Alltags

Für mich stellte der Wechsel der Zeitzone gar kein Problem dar. Da ich nach Westen gezogen bin, kann ich jetzt viel besser nach meinem Biorhythmus arbeiten und sehr früh in den Arbeitstag starten. Das gibt mir zusätzlich die Chance, die Orte, an denen ich temporär lebe, besser kennenzulernen, weil ich schon am frühen Nachmittag Feierabend habe.

Ich fange fast immer zwischen 5 und 6 Uhr morgens an zu arbeiten und auch das wöchentliche Team-Meeting morgens um 8:30 Uhr deutscher Zeit ist kein Problem. Sowohl Kolleg:innen als auch Kund:innen haben sich sehr schnell an meine neuen Arbeitszeiten gewöhnt und achten oft mehr darauf, dass ich nicht zu früh anfangen muss als ich selber :)

Diese Zeitverschiebung bedeutet aber auch, dass ich manchmal noch online bin, wenn in Deutschland längst Feierabend ist. Ich arbeite nicht bis tief in die Nacht, aber ich manage auch nicht aktiv meinen Teams-Status.

Um dadurch keinen Druck aufzubauen, wenn ich nachts Nachrichten verschicke und auch umgekehrt niemand darauf achten muss, ob ich schon in den Tag gestartet bin, wenn in Deutschland längst der Vormittag begonnen hat, haben wir offene Gespräche darüber geführt, dass wir flexible Arbeitszeiten nicht nur im Vertrag stehen haben, sondern weiterhin ganz selbstverständlich leben. Das haben wir zwar auch vorher schon gemacht, aber mit meinem neuen Lebensstil hat sich das nochmals etwas verschärft. 

Teamzugehörigkeit und Zusammenarbeit auf Distanz

Meinen Teamshintergrund passe ich immer mit einem Foto aus dem Ort an, an dem ich gerade wohne. Die Suche nach einem geeigneten Motiv gehört für mich genauso zu jedem Umzug dazu wie das Testen des Internets und das Ausprobieren der lokalen Cafés in der Hoffnung auf guten Espresso. 

Tamara in einem Teamsmeeting. Als Hintergrundbild ein Bild aus Peru mit Alpakas und Ruinen

Das führt dazu, dass in vielen Meetings, auch auf Kundeninitiative, erst mal kurz darüber gesprochen wird, wo ich gerade bin, welche Uhrzeit ist und wie das Wetter bei allen Teilnehmenden gerade ist.

Diese kleinen, nicht-fachlichen Gespräche helfen dabei, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Für die tägliche Zusammenarbeit macht es keinen Unterschied, ob jemand 30 Kilometer oder mehrere Tausend Kilometer entfernt sitzt. Außerdem hat sich im vergangenen Jahr bestätigt, dass räumliche Entfernung und persönliche Nähe nicht zwangsläufig zusammenhängen.

Mit einigen Kolleg:innen arbeite ich sehr eng und vertrauensvoll zusammen, obwohl wir uns noch nie persönlich getroffen haben.

Das ist aber auch kein Selbstläufer, sondern alle müssen bereit sein, die Kommunikation dahingehend anzupassen und sich auf remote work einzulassen.

Dabei ist es mir wichtig, die Gespräche an der Kaffeemaschine in den virtuellen Raum zu übertragen.
Es gibt Kolleg:innen, mit denen ich mich regelmäßig auf einen Kaffee treffe, mit anderen passiert das spontan. Gemeinsam haben diese Meetings, dass wir uns (auch) abseits der Arbeitsthemen unterhalten und private Gespräche im Vordergrund stehen.

Dadurch besteht gar kein Risiko, dass ich nicht mehr zum Team dazu gehöre, nur weil ich am anderen Ende der Welt lebe. 

Mein Fazit nach einem Jahr

Vor einem Jahr war ich noch unsicher, wie sich die große räumliche Distanz auf meine Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen auswirken würde.

Heute kann ich sagen:

Weder die technischen noch die zwischenmenschlichen Befürchtungen haben sich bestätigt.

Ich fühle mich weiterhin als Teil des Teams, weil gute Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und regelmäßiger Austausch auch über mehrere Zeitzonen hinweg wunderbar funktionieren.

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Zwischen Kulturen: Modern Work und implizite Erwartungen