Wie mich Copilot in der Lehre unterstützt
Meine Lehre im Kontext von Modern Work
Seit ein paar Jahren unterrichte ich „Business and Intercultural Communication“ an der Universität Münster. Die Vorlesung richtet sich sowohl an deutsche als auch an internationale Studierende, sodass jedes Semester Teilnehmende aus ganz unterschiedlichen Ländern dabei sind.
Dieser Artikel soll allerdings gar nicht primär von meiner Vorlesung handeln, sondern von meinen ersten intensiveren Erfahrungen mit dem Copilot Researcher. Die Lehrveranstaltung war dafür einfach ein sehr guter und konkreter Use Case.
Die aktuelle Überarbeitung der Veranstaltung ist nicht in Deutschland entstanden, sondern an meinem Laptop in Ecuador und Brasilien. Die Vorlesung findet komplett über Zoom statt, wodurch die Studierenden auch aus dem Auslandssemester teilnehmen können. Gleichzeitig ermöglicht mir genau dieses Setup, die Veranstaltung selbst ortsunabhängig durchzuführen. Inzwischen habe ich die Vorlesung bereits aus Münster, Köln, Kolumbien, Peru und Brasilien gehalten.
Ich versuche, die Veranstaltung in jedem Semester weiterzuentwickeln. Manchmal sind das nur kleinere Anpassungen an Folien oder Übungen, manchmal entstehen daraus aber auch ganz neue Schwerpunkte.
Vom Randthema zum eigenen Schwerpunkt
Im vorigen Semester habe ich nur kurz erwähnt, wie KI internationale Kommunikation und Zusammenarbeit verändern kann. Eigentlich war das eher als kleiner Zusatzgedanke gedacht.
Die Rückfragen der Studierenden haben allerdings schnell gezeigt, dass das Thema deutlich relevanter geworden ist, als ich zunächst erwartet hatte. Deshalb habe ich es für die aktuelle Veranstaltung bewusst ausgebaut und stärker in die Vorlesung integriert.
Genau an dieser Stelle kam der Copilot Researcher ins Spiel.
Recherche mit dem Copilot Researcher
Ich wollte nicht einfach nur ein paar zusätzliche Folien ergänzen, sondern verstehen, wie KI klassische Herausforderungen interkultureller Kommunikation tatsächlich verändert.
Dafür habe ich den Researcher mit einem sehr konkreten Prompt gestartet:
„Wie beeinflusst KI die klassischen Herausforderungen interkultureller Kommunikation und Zusammenarbeit? Ich habe einen Lehrauftrag für „Business and Intercultural Communication“ und möchte meinen internationalen Studierenden neben den klassischen Herausforderungen anhand der Kulturdimensionen nach Hofstede, Trompenaars und Hall auch aktuelle Themen mitgeben und erklären, inwiefern KI diese Herausforderungen vereinfacht oder auch verschärft. Ich möchte das Thema in der Vorlesung vertiefen. Bitte erstelle deinen Bericht in US-English.“
Zusätzlich habe ich dem Agenten erklärt, welche Inhalte ich bisher dazu behandle und ihm meine bestehende Präsentation als Kontext mitgegeben.
Danach begann der Teil, der mich aktuell am meisten begeistert: Der Researcher arbeitet nicht einfach nur eine Suche ab, sondern entwickelt die Recherche weiter. Er stellt Rückfragen, konkretisiert Themen und baut daraus Schritt für Schritt einen strukturierten Bericht auf.
Ich habe diese Rückfragen bewusst beantwortet, weil die Ergebnisse dadurch deutlich präziser werden. Ich hätte auch einfach sagen können, dass die Recherche gestartet werden soll, dann hätte Copilot sein „bestes Urteilsvermögen“ genutzt. So zumindest drückt er es selber aus.
Ergebnisse und Struktur des Berichts
Nach einigen Minuten und insgesamt 92 einzelnen Schritten war der Bericht fertig.
An dieser Stelle habe ich zum ersten Mal erkannt, wie stark sich der Researcher von einer normalen Suche unterscheidet. Der Agent hatte nicht nur Quellen gesammelt, sondern sehr unterschiedliche Perspektiven miteinander verbunden: klassische Kulturdimensionen, KI-gestützte Übersetzung, algorithmische Verzerrungen, Vertrauen in virtuelle Zusammenarbeit und den Einfluss von KI auf nonverbale Kommunikation.
Der Bericht war 23 Seiten lang, sehr sauber strukturiert und enthielt zusätzlich Tabellen, Infografiken und nachvollziehbare Quellenangaben.
Die Struktur sah so aus:
Summary
Classical Intercultural Challenges in a Tech-Driven World
AI Tools Breaking Barriers – and Where They Fall Short
Real-Time Translation and Language Assistance
Communication Styles: Directness, Context, and AI Mediation
AI and Non-Verbal Communication: The Missing Piece
Algorithmic Bias and Stereotyping Across Cultures
Team Dynamics, Trust, and “Human Touch” in AI-Mediated Collaboration
Conclusion: Towards Culturally Intelligent Use of AI
Das hat mir nicht einfach nur Inhalte geliefert, sondern einen strukturierten Einstieg in ein Thema, das ich anschließend gezielt weiter vertiefen konnte.
Der Researcher hat mir vor allem sehr viel Zeit bei der Quellensuche, Strukturierung und ersten Zusammenfassung gespart.
Fertig war die Arbeit damit allerdings noch lange nicht. Ich habe mich anschließend noch mehrere Stunden intensiv mit dem Bericht und den Quellen beschäftigt, Inhalte geprüft, priorisiert und für meine konkrete Vorlesung angepasst.
Genau dieser Teil war mir wichtig. Ich wollte die Ergebnisse nicht einfach übernehmen, sondern selbst tief genug im Thema sein, um Rückfragen beantworten, Zusammenhänge erklären und die Inhalte sinnvoll einordnen zu können.
Von der Recherche zur Präsentation
Nachdem ich die für mich wichtigsten Inhalte herausgearbeitet hatte, habe ich daraus mit Copilot direkt eine PowerPoint-Präsentation erstellen lassen.
Die Inhalte waren überraschend brauchbar und konnten größtenteils mit nur wenigen Anpassungen übernommen werden. Besonders hilfreich war für mich, dass ich zusätzlich direkt Sprechtexte generieren lassen konnte, die ich anschließend nur noch prüfen und sprachlich an meinen Stil anpassen musste.
Ein neuer Ansatz: Inhalte als Video
Danach wollte ich noch etwas ausprobieren.
Gerade in einer sehr internationalen Gruppe lernen nicht alle gleich gern über lange Texte oder klassische Vorlesungsfolien. Deshalb wollte ich zusätzlich ein kurzes Video erstellen lassen.
Dafür habe ich zum ersten Mal getestet, was passiert, wenn Copilot aus einem Worddokument automatisch ein Video erstellt.
Den Prompt habe ich bewusst relativ offen gehalten, weil ich zunächst einfach sehen wollte, was überhaupt möglich ist.
Am Ende war das Ergebnis allerdings so gut, dass ich das Video direkt in die Präsentation übernommen habe. Die Studierenden bekommen dadurch nicht nur zusätzliche Inhalte, sondern auch noch einmal eine andere Form der Zusammenfassung.
Fazit
Für mich war das weniger ein „KI ersetzt Lehre“-Moment, sondern eher die Frage, wie schnell und strukturiert sich neue Themen heute in bestehende Lehrveranstaltungen integrieren lassen.
Gerade der Researcher hat mir dabei gezeigt, wie hilfreich ein gut geführter Rechercheprozess sein kann, wenn man nicht einfach nur Antworten möchte, sondern Zusammenhänge verstehen will.
Wer bisher noch keinen konkreten Anwendungsfall für den Researcher gefunden hat: Genau solche Themen eignen sich aus meiner Sicht sehr gut, um ihn einmal wirklich auszuprobieren.
Austausch
Mich interessiert, wie ihr das handhabt:
Nutzt ihr Copilot oder andere Tools bereits in der Lehre oder zur Vorbereitung von Präsentationen, Lerninhalten und Schulungsmaterialien?
Wo funktioniert das gut und wo stoßt ihr an Grenzen?