Copilot auf Reisen

-Auf Reisen nutze ich Copilot inzwischen völlig anders als im Arbeitsalltag.

Dort geht es meistens um Dokumente, Struktur und Meetings. Unterwegs dagegen eher um Orientierung, spontane Entscheidungen und den Wechsel zwischen mehreren Sprachen innerhalb weniger Minuten.

Ich merke dabei immer wieder, wie schnell aus einer digitalen Recherche ein echtes Erlebnis vor Ort werden kann.

Reiseplanung mit Copilot

Ein typischer Anwendungsfall ist für mich die Planung vor Ort.

Ich nutze Copilot, um mir einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Orte und Aktivitäten für mich interessant sind. Anfangs sind das die klassischen Touristenziele. Dazu gehören zum Beispiel die beste Free Walking Tour vor Ort, Aussichtspunkte und auch Touren außerhalb des Stadtzentrums.

Im Laufe der Zeit ändert sich dieser Fokus und ich interessiere mich mehr für eher lokal geprägte Stadtviertel und Erlebnisse, die nicht auf der klassischen Touristenroute liegen und nicht die Top-Ergebnisse in Suchmaschinen und bei Reiseunternehmen sind.

Dazu gehören auch besondere Fotospots, Restaurants, Cafés und Märkte.

Es geht mir hierbei auch darum, Inspirationen zu erhalten und die für mich wichtigen Ecken einer Stadt zu entdecken und etwas tiefer einzutauchen.

In Cusco, Peru, habe ich so nicht nur die klassischen Ziele wie Machu Picchu, Regenbogenberg und einige Orte im Heiligen Tal besucht, sondern auch die Laguna Kinsa Cocha entdeckt.

Gleiches gilt dafür, dass wir inmitten von Einheimischen in Quito auf einem Markt zu Mittag gegessen haben und die einzigen Gringos vor Ort waren.

Solche Erlebnisse machen das Unterwegssein für mich aus und KI hilft mir dabei, besser und schneller zu recherchieren als ich das mit klassischen Suchmaschinen könnte.

Use Case: Foodtour

Ein konkretes Beispiel ist für mich die Planung einer Foodtour. In São Paulo habe ich bei den üblichen Touranbietern nichts gefunden, was mich direkt überzeugt hat. Also habe ich Copilot genutzt und ganz konkret den Researcher, um mir zunächst einen Überblick über lokale Spezialitäten zu verschaffen.

Dabei war es mir wichtig, nicht nur Speisen und Getränke empfohlen zu bekommen, sondern auch mehr über deren Herkunft und Zubereitung zu erfahren. Ich wollte mich nicht nur auf traditionelle brasilianische Küche konzentrieren, sondern auch moderne bzw. zeitgenössische kulinarische Trends in São Paulo einbeziehen und internationale Einflüsse berücksichtigen (z. B. japanische, italienische oder arabische Küche, die in São Paulo stark vertreten sind).

Nachdem ich mich ausführlich in die Kulinarik São Paulos eingelesen hatte, bat ich Copilot um Folgendes:

Erstelle mir bitte eine Foodtour, bei der du dich auf Getränke, Snacks, Streetfood und Süßigkeiten fokussierst. Idealerweise verläuft die Tour so, dass ich auch Sao Paulo kennenlerne. Ich möchte die Tour an einem Sonntag und am liebsten zu Fuß machen, also sind 5-8 km ideal.

Die Ausgabe war sehr strukturiert und zeigte konsistent dieses Format:

Ort: Praça da Sé

Wegbeschreibung: Spaziere 5 Minuten zur alt-ehrwürdigen Kathedrale von São Paulo (Catedral da Sé) am Hauptplatz.

Probieren: eine knusprige Coxinha (goldbraune, tränenförmige Teigtasche mit würziger Hähnchenfüllung und oft mit cremigem Catupiry-Käse), ein Pão de Queijo (Mini-Käsebrötchen aus Maniokmehl) und als süßen Happen leuchtend gelben Quindim (einen Kokos-Eierpudding nach Rezept aus Bahia mit portugiesischem Einfluss)

Dazu habe ich mir noch die Google Maps-Links geben lassen, um zu prüfen, ob wirklich alle Stationen sonntags geöffnet haben. Zu meiner Überraschung, da ich von KI anderes gewohnt bin, musste ich nur eine Station anpassen, um die Tour durchführen zu können.

Letztendlich habe ich das Ganze in zwei kürzere Abschnitte aufgeteilt, weil es sonst viel zu viel gewesen wäre, was bei geführten Foodtouren sehr häufig der Fall ist.

Richtig cool fand ich, dass aus einer zunächst rein digitalen und theoretischen Recherche ein echter Sonntag in São Paulo wurde, an dem ich die Stadt Schritt für Schritt über ihre Aromen entdeckt habe.

Wechsel zwischen Sprachen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Umgang mit Sprache.

Gerade nach vielen Monaten in spanischsprachigen Ländern war dieser Wechsel für mich im Alltag deutlich spürbarer, als ich es vorab erwartet hätte.

Ich nutze Copilot zum Beispiel, um:

  • Formulierungen zu überprüfen

  • Unterschiede zwischen ähnlichen Begriffen zu verstehen

  • kurze Texte zu übersetzen oder anzupassen

Das funktioniert gut für den Alltag und ich gewöhne mich so deutlich schneller ans Portugiesische. Bewährt hat sich auch, Copilot anzuweisen als Live-Dolmetscher zu agieren und alles Deutsche in brasilianisches Portugiesisch und umgekehrt zu übersetzen.

In Kolumbien habe ich gemerkt, dass andere KI-Tools mit Umgangssprache und Dialekten deutliche Probleme hatten und mein Gegenüber nicht immer verstanden wurde. Das ist mir mit Copilot noch nicht passiert, könnte aber auch daran liegen, dass die Menschen hier deutlicher sprechen. Einen direkten Vergleich habe ich nicht.

Gleichzeitig bin ich sehr froh über die nicht-technischen Begegnungen, die noch ganz klassisch mit Händen und Füßen, einfachen Worten und viel gutem Willen funktionieren.

Ein schönes Beispiel hatte ich am Busbahnhof in Belo Horizonte: Auf den ersten Blick war dort nur die Herrentoilette ausgeschildert. Ich saß in der Nähe, als mich eine Frau ansprach. Zunächst habe ich nichts verstanden und ihr das signalisiert. Mit den Worten „não masculino“ und vielen Gesten machte sie mir dann klar, dass sie die Damentoilette suchte. Das habe ich sofort verstanden, weil ich diese Suche kurz zuvor selbst hinter mir hatte, und konnte ihr den Weg zeigen. Später kam sie noch einmal zurück, nur um sich zu bedanken.

Solche Momente zeigen mir immer wieder, dass Verständigung oft auch ohne perfekte Sprache und ohne Technologie sehr gut funktionieren kann. Gerade auf Reisen ist mir das wichtig, denn bei aller technologischen Unterstützung soll das Menschliche nicht zu kurz kommen.

Fazit

Für mich ist Copilot auf Reisen vor allem ein Werkzeug zur Orientierung und Unterstützung im Alltag.

Er hilft mir,

  • schneller Informationen zu finden

  • Touren zu planen

  • zwischen Sprachen zu wechseln

Die eigentliche Bewertung und Einordnung bleibt bei mir, sowohl bei der Entscheidung, was ich mache, als auch bei der Prüfung von Öffnungszeiten und der Einschätzung von Tonalität und kulturellem Kontext in Gesprächen.

Für mich entsteht der eigentliche Mehrwert immer dann, wenn aus einer schnellen Empfehlung ein echtes Erlebnis vor Ort wird.

Austausch

Mich interessiert, wie ihr Copilot oder ähnliche Tools auf Reisen nutzt:

Plant ihr damit aktiv oder nutzt ihr es eher situativ vor Ort und wie geht ihr mit Sprachwechseln und kulturellen Unterschieden um?

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Wie mich Copilot in der Lehre unterstützt